Die alte neue Bescheidenheit

05. Mai 2015

Zum 1. Mai hat Eiszeit ein Flugblatt über Krise, Standort und gewerkschaftlichen Sachverstand verfasst.

Die Krise, die sich nicht erst seit 2008 in die Weltökonomie und Staatshaushalte frisst, hat auch dank eines 60 Milliarden schweren Rettungspakets und der Geldpolitik der Schweizer Nationalbank (SNB) bisher zum Grossteil einen Bogen um die Schweiz gemacht. Das wird sich nun ändern; zumindest wenn man den Warnungen der Mahnerinnen aus Politik und Wirtschaft und den Prognosen der Wahrsager der hiesigen Ökonomie Glauben schenken darf. Unisono erklärten sie: Nach der Aufkündigung der Euro-Untergrenze durch die SNB würde den Export- und den Tourismussektor eine schlechte Zukunft erwarten.

Wider den Rassismus und die abstrakte Gleichheit der Menschen

16. Mär 2015

Eiszeit hat an einer antirassistischen Kundgebung in Zürich folgende Flugschrift über den Zusammenhang von Rassismus und der Ideologie seiner üblichen Gegner verteilt.

Die Biologisierung oder Kulturalisierung gesellschaftlich produzierter Phänomene und Differenzen ist ideologischer und höchst gefährlicher Unsinn. Egal ob man die Ungleichheit pseudowissenschaftlich direkt mit der Natur oder aber, etwas moderner, die bestimmte Kultur zu etwas Unveränderlichem erklärt, beides ist die ideologische Legitimierung und Verdopplung gesellschaftlich hergestellter Differenzen und Praktiken. Dieses Denken steckt auch hinter den momentan landesweit anzutreffenden sozialchauvinistischen Aufwallungen. Wen auch immer je nach Konjunktur des Ressentiments der Hass der Aufgebrachten trifft – also auch wenn gegen die einheimische Unterschicht geschossen wird – von der Logik her ist das Denken mit dem rassistischen Vorurteil eng verwandt.

Wo ist denn die Emanzipation?

09. Mär 2015

Wirft man einen Blick in die Zeitung, glaubt man die Frauenbewegung habe keine Daseinsberechtigung mehr, da sie alle ihre Forderungen erfüllen konnte: Es gibt eine Bundeskanzlerin, sogar eine Kriegs-, pardon, Verteidigungsministerin und demnächst eine Frauenquote in den Chefetagen großer Unternehmen und einiges mehr. Doch passt das mit der Realität der Mehrheit der Frauen in diesem Lande zusammen? Ist der Feminismus in der Gesellschaft angekommen? War die Zweite Frauenbewegung der 60er und 70er mit ihren Forderungen erfolgreich?

Pannekoek in Bad Godesberg

04. Mär 2015

Im Juli 2013 wurde die erste Ausgabe des Magazins »Mole« vom Bündnis »Ums Ganze« herausgegeben. Darin enthalten waren die Texte "Kampf für das Gemeinsame – der (Post-)Operaismus als Interventionsstrategie für die Radikale Linke", der den "Postoperaismus" als linken Praxis-Ratgeber in Dienst nimmt, sowie "Über Kinderkrankheiten und roten Jakobinismus", der für einen modernisierten Rätekommunismus ohne Parlamentarismuskritik wirbt. Die Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft haben die hier vorliegende Kritik an diesen beiden Texten geschrieben, die in der zweiten Ausgabe der »Mole« in einer abgeänderten Form erscheint.

Es ist nicht lange her, da galt jede Rede von sozialen Kämpfen, gerade von solchen der Lohnabhängigen, vielen Linksradikalen als Ausdruck von Sozialromantik, »Traditionsmarxismus« oder auch »verkürzter Kapitalismuskritik«. Unverdaute Kapital-Lektüre und nachvollziehbarer Unmut über die deutschen Zustände flossen dabei oft zu der Überzeugung zusammen, wer von Klassen rede, mache sich gar einer letztlich den Antisemitismus befördernden »Personalisierung« schuldig, so als seien das Ressentiment gegen »die Bonzen« und die Kritik der Klassengesellschaft dasselbe (und als müsse es früher oder später Juden treffen, wenn gegen »die Bonzen« gewettert wird). Der trotzig hochgehaltene »Kommunismus« verflachte zum Signalwort, mit dem man sich seiner Identität als ein außerhalb und über der verblendet-verblödeten Normalbevölkerung stehender Kritiker versicherte, anstatt in deren Mitmachen die eigene Angepasstheit wiederzuerkennen, sich also einzugestehen, dass man meistens ein genauso pflegeleichter Arbeitskraftverkäufer ist wie die doofen Arbeiter und auch keinen Schimmer hat, wie man es anders machen könnte. Es wurden melancholische Traktate verfasst: »Die Klasse ist tot«; »Heute kann die Zukunft nicht mehr gefunden werden in den Momenten der Gegenwart, die über diese hinausweisen«. Kaum war jedoch die Gegenwart zum fugendichten Verhängnis erklärt worden, kam das Jahr 2011, das Jahr der Aufstände in der arabischen Welt, der Platzbesetzungen von Oakland über Madrid bis Tel Aviv, der südeuropäischen Unruhen und Generalstreiks, und ein Sinneswandel setzte ein, schien die Wirklichkeit doch plötzlich wieder zu einem Gedanken zu drängen, den man offenbar voreilig verworfen hatte.

Seiten