Wider den Rassismus und die abstrakte Gleichheit der Menschen

16. Mär 2015

Eiszeit hat an einer antirassistischen Kundgebung in Zürich folgende Flugschrift über den Zusammenhang von Rassismus und der Ideologie seiner üblichen Gegner verteilt

Die Biologisierung oder Kulturalisierung gesellschaftlich produzierter Phänomene und Differenzen ist ideologischer und höchst gefährlicher Unsinn. Egal ob man die Ungleichheit pseudowissenschaftlich direkt mit der Natur oder aber, etwas moderner, die bestimmte Kultur zu etwas Unveränderlichem erklärt, beides ist die ideologische Legitimierung und Verdopplung gesellschaftlich hergestellter Differenzen und Praktiken. Dieses Denken steckt auch hinter den momentan landesweit anzutreffenden sozialchauvinistischen Aufwallungen. Wen auch immer je nach Konjunktur des Ressentiments der Hass der Aufgebrachten trifft – also auch wenn gegen die einheimische Unterschicht geschossen wird – von der Logik her ist das Denken mit dem rassistischen Vorurteil eng verwandt.

Wo ist denn die Emanzipation?

09. Mär 2015

Wirft man einen Blick in die Zeitung, glaubt man die Frauenbewegung habe keine Daseinsberechtigung mehr, da sie alle ihre Forderungen erfüllen konnte: Es gibt eine Bundeskanzlerin, sogar eine Kriegs-, pardon, Verteidigungsministerin und demnächst eine Frauenquote in den Chefetagen großer Unternehmen und einiges mehr. Doch passt das mit der Realität der Mehrheit der Frauen in diesem Lande zusammen? Ist der Feminismus in der Gesellschaft angekommen? War die Zweite Frauenbewegung der 60er und 70er mit ihren Forderungen erfolgreich?

Pannekoek in Bad Godesberg

04. Mär 2015

Im Juli 2013 wurde die erste Ausgabe des Magazins »Mole« vom Bündnis »Ums Ganze« herausgegeben. Darin enthalten waren die Texte "Kampf für das Gemeinsame – der (Post-)Operaismus als Interventionsstrategie für die Radikale Linke", der den "Postoperaismus" als linken Praxis-Ratgeber in Dienst nimmt, sowie "Über Kinderkrankheiten und roten Jakobinismus", der für einen modernisierten Rätekommunismus ohne Parlamentarismuskritik wirbt. Die Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft haben die hier vorliegende Kritik an diesen beiden Texten geschrieben, die in der zweiten Ausgabe der »Mole« in einer abgeänderten Form erscheint.

Es ist nicht lange her, da galt jede Rede von sozialen Kämpfen, gerade von solchen der Lohnabhängigen, vielen Linksradikalen als Ausdruck von Sozialromantik, »Traditionsmarxismus« oder auch »verkürzter Kapitalismuskritik«. Unverdaute Kapital-Lektüre und nachvollziehbarer Unmut über die deutschen Zustände flossen dabei oft zu der Überzeugung zusammen, wer von Klassen rede, mache sich gar einer letztlich den Antisemitismus befördernden »Personalisierung« schuldig, so als seien das Ressentiment gegen »die Bonzen« und die Kritik der Klassengesellschaft dasselbe (und als müsse es früher oder später Juden treffen, wenn gegen »die Bonzen« gewettert wird). Der trotzig hochgehaltene »Kommunismus« verflachte zum Signalwort, mit dem man sich seiner Identität als ein außerhalb und über der verblendet-verblödeten Normalbevölkerung stehender Kritiker versicherte, anstatt in deren Mitmachen die eigene Angepasstheit wiederzuerkennen, sich also einzugestehen, dass man meistens ein genauso pflegeleichter Arbeitskraftverkäufer ist wie die doofen Arbeiter und auch keinen Schimmer hat, wie man es anders machen könnte. Es wurden melancholische Traktate verfasst: »Die Klasse ist tot«; »Heute kann die Zukunft nicht mehr gefunden werden in den Momenten der Gegenwart, die über diese hinausweisen«. Kaum war jedoch die Gegenwart zum fugendichten Verhängnis erklärt worden, kam das Jahr 2011, das Jahr der Aufstände in der arabischen Welt, der Platzbesetzungen von Oakland über Madrid bis Tel Aviv, der südeuropäischen Unruhen und Generalstreiks, und ein Sinneswandel setzte ein, schien die Wirklichkeit doch plötzlich wieder zu einem Gedanken zu drängen, den man offenbar voreilig verworfen hatte.

Die Ordnung herrscht in Kairo

26. Jan 2015

Am Sonntag verging der vierte Jahrestag des 25. Januar 2011, als eine Welle von Unruhen in Kairo begann, die die ägyptische Regierung aus dem Amt zwang. Aus diesem Anlass veröffentlichen wir ein Interview mit Philip Rizk, einem Filmemacher und Autor aus Kairo, der die derzeitige Lage in Ägypten zusammenfasst.

Vor vier Jahren, als die Welt bereits unter einer unerwarteten Wirtschaftskrise ächzte, brachen im Norden des afrikanischen Kontinents Unruhen aus, die noch viel unerwarteter waren. Vorgeschichte und Verlauf dieser Unruhen werden in einem der zwei hier dokumentierten Gespräche mit ägyptischen Genossen geschildert. Es wurde 2011, ein paar Wochen nach der Absetzung des obersten Staatslenkers Hosni Mubarak, am Ort des Geschehens geführt, den eine revolutionstouristische Abordnung von uns aufgesucht hatte. Die Euphorie über die damals, so auch von uns im Titel der Erstveröffentlichung dieses Gesprächs, als »Revolution« bezeichneten Ereignisse war noch deutlich spürbar, aber es braute sich auch bereits erster Unmut über die von den Generälen besorgte Interimsregierung zusammen, die reihenweise unliebsame Zivilisten von Militärgerichten aburteilen ließ, während dem verhassten Ex-Staatschef kein Nachteil daraus entstand, dass seine Schergen während des Aufstands 800 Menschen getötet hatten. Dieser Unmut dürfte es vor allem gewesen sein, der 2012 der islamistischen Muslimbruderschaft bei den Präsidentschafts- wie Parlamentswahlen als vermeintlicher Alternative zum Ancien Régime einen klaren Sieg einbrachte. Als diese ebenfalls mit blutiger Repression nicht sparte, und die wirtschaftliche Misere des von Massenarmut gezeichneten Landes sich eher noch verschärfte, kam es im Sommer 2013 zu den größten Demonstrationen in der Geschichte Ägyptens, von denen flankiert erneut die Militärs die Macht an sich rissen.

Zugaben zum Wunschkonzert

10. Nov 2013

Im Februar diesen Jahres veröffentlichten die Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft den Text „Krisenlösung als Wunschkonzert“ in der Zeitschrift »analyse und kritik« in der Hoffnung, eine Debatte über die Wirtschaftskrise anzustoßen und einige Illusionen, wie diese zu lösen wäre, zu kritisieren. Daraufhin erschienen in der »ak« Antworten von Dario Azzellini, Anna Dohm, Alexander Gallas und Jörg Nowak sowie Ingo Stützle. Die Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft resümieren nun diese „Zugaben zum Wunschkonzert“.

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